Die Schweiz gehört seit Jahrzehnten zu den Ländern mit der höchsten Lebensqualität weltweit. 

Sicherheit, Stabilität, funktionierende Infrastrukturen, hochwertige Bildung, gepflegte Ortsbilder, kurze Wege in die Natur und ein hoher gesellschaftlicher Zusammenhalt prägen das Schweizer Ortsbild. 

Dies ist keine Selbstverständlichkeit und in Zukunft keineswegs garantiert.

Sie sind das Ergebnis von kultureller und gemeinschaftlicher Weitsicht, Mitverantwortung und des Masshaltens.

Gerade deshalb verdient die Diskussion rund um die Volksinitiative ‘Keine 10‑Millionen‑Schweiz’ (Nachhaltigkeitsinitiative)» eine nüchterne und ehrliche Debatte.

Eine Chance für nachhaltigen Wohnraum 

 

Wer in der Immobilienwirtschaft tätig ist, erlebt die Auswirkungen des Bevölkerungswachstums nicht abstrakt, sondern täglich: steigender Druck auf Wohnraum, zunehmende Verdichtung, sinkende Verfügbarkeit von Land, überlastete Infrastrukturen und ein gesellschaftlich immer schwieriger werdender Interessenausgleich. 

Die entscheidende Frage lautet deshalb, wie viel Wachstum ein kleines Land wie die Schweiz nachhaltig tragen kann, ohne dass der Druck auf unseren Wohnraum unsere Lebensqualität massiv einschränken wird.  

Knappes Angebot und steigende Nachfrage

 

Die Schweiz zählt heute rund 9,1 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Seit Einführung der Personenfreizügigkeit Anfang der 2000er‑Jahre ist die Bevölkerung um rund 1,7 Millionen Menschen gewachsen – massgeblich getragen durch Zuwanderung. 

Gleichzeitig bleibt die bewohnbare Fläche begrenzt: Berge, Seen, Landwirtschaftsflächen sowie Schutzräume setzen natürliche Grenzen. Die Initiative verlangt, dass die ständige Wohnbevölkerung vor 2050 die Marke von zehn Millionen Menschen nicht überschreitet. Bereits ab 9,5 Millionen Einwohnern wären politische Gegenmassnahmen vorgesehen.

Wer in urbanen Räumen unterwegs ist, spürt bereits heute die Folgen eines knappen Lebensraums. Wohnraum wird teurer, Familien weichen in Randregionen aus, Pendlerströme wachsen, Grünflächen geraten unter Druck. Gleichzeitig sinkt die Leerwohnungsziffer schweizweit weiter.

 

Offenheit bedeutet nicht Grenzenlosigkeit

 

Wenn wir über unseren Tellerrand hinausschauen, sehen wir in anderen Ländern, wie eine Zukunft ohne Zuwanderungsgrenzen mit einem massiven Druck auf die Lebensqualität für Bewohner einhergeht. 

Keine Grenzen beudeten nicht Offenheit. Denn keine Grenzen sind verantwortungslos und kurzfristig für die Zukunft der Schweiz.  

Offenheit bedeutet für uns nachhaltiges Handeln, welche der Schweiz weiterhin erlaubt für jetzige und zukünftige Generationen einen Wohnraum mit hoher Lebensqualität, Sicherheit und einem funktionierenden wirtschaftlichen wie auch politischen System beizubehalten.

Wirtschaftliches Wachstum ist wichtig – ist jedoch nicht linear an das Bevölkerungswachstum gebunden. 

Ein Blick in den Rückspiegel der Zeit zeigt, wie wir mit technischen Innovationen und gefördertem Unternehmertum eines der höchsten Bruttoinlandprodukte pro Kopf geschaffen haben. Gleichzeitig bedeutet dieser Fortschritt auch, dass Unternehmen immer weniger auf eine Masse von Arbeitskräften angewiesen sind. 

Und es sind Menschen, nicht Maschinen, welche Platz und Lebensqualität zur Entfaltung brauchen. 

Lebensqualität bedeutet funktionierende Gemeinden, Sicherheit, geringe soziale Spannungen, eine hohe Vertrauenskultur und ein politisches System, das auf Verantwortung setzt.

 

Gemeinsame Weitsicht und Verantwortung

 

Lebensqualität und ein nachhaltiger Wohnraum beruhen auf einem gewissen Gleichgewicht zwischen Bevölkerung, Infrastruktur und verfügbaren Ressourcen. Schulen, Verkehrsnetze, Gesundheitsversorgung und Wohnraum wachsen nicht automatisch im gleichen Tempo wie die Einwohnerzahl.

Zur Schweizer Identität gehören Offenheit und wirtschaftlicher Erfolg. Ebenso gehören aber Eigenverantwortung, Stabilität, lokale Verankerung und nachhaltiges Denken dazu.

Die Nachhaltigkeitsinitiative bedeutet eine planbare Entwicklung unseres Bevölkerungswachstums.

Und aus immobilienwirtschaftlicher Sicht ist Planbarkeit ein zentraler Wert. 

Eine klarere Perspektive hinsichtlich Bevölkerungsentwicklung kann langfristige Investitionsentscheidungen erleichtern. Kommunen erhalten mehr Planungssicherheit für Schulen, Verkehr und Quartierentwicklung. Investoren und Eigentümer profitieren von besser einschätzbaren Rahmenbedingungen.

Deswegen ist aus unserer Sicht die Diskussion um die 10‑Millionen‑Schweiz letztlich keine ideologische Frage, sondern eine der Verantwortung. Wie viel Wachstum verträgt ein kleines Land, ohne seine Stärken zu verlieren?

Und deswegen schreiben wir dieses Plädoyer über die Nachhaltigkeitsinitiative.

Ein Plädoyer für ein proaktives Handeln, Weitsicht und Verantwortung für künftige Bewohner.

 

Mit freundlichen Grüssen, 

 

Olivia Bucher & Vivien Bucher